Katechismus > 5.Hauptstück > Amt der Schlüssel / Beichte
Das Amt der Schlüssel ist die besondere Vollmacht, die Christus seiner Kirche auf Erden gegeben hat, den bußfertigen Sündern die Sünde zu vergeben, den unbußfertigen aber die Sünde zu behalten, solange sie nicht Buße tun.
Wo steht das geschrieben?
Unser Herr Christus spricht zu Petrus: »Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein« (Mt 16,19). Ebenso spricht der Herr zu allen Jüngern: »Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten« (Joh 20,22f).
Was glaubst du bei diesen Worten?
Ich glaube: Was die berufenen Diener Christi aus seinem göttlichen Befehl mit uns handeln – auch dann, wenn sie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder von der christlichen Gemeinde ausschließen und die, die ihre Sünde bereuen und sich bessern wollen, wieder lossprechen -, das ist ebenso kräftig und gewiss auch im Himmel, als handelte unser lieber Herr Christus selber an uns.
264. Warum wird dieser von Christus befohlene Dienst als Amt der »Schlüssel« bezeichnet?
Diese Bezeichnung macht deutlich, dass durch das Vergeben der
Sünde der Himmel »aufgeschlossen« und durch das Behalten der Sünde der
Himmel »zugeschlossen« wird (Löseschlüssel und Bindeschlüssel). Vgl. Mt
16,19!
265. Warum wird das Schlüsselamt die »besondere Vollmacht der Kirche« genannt?
Es wird deshalb so genannt, weil es keine weltliche, sondern
eine geistliche Vollmacht und Aufgabe ist. Diesen einzigartigen Dienst hat
Christus seiner Kirche auf Erden aufgetragen, d. h. z.B. jeder einzelnen christlichen
Gemeinde.
266. Wieso ist das Amt der Schlüssel nicht nur dem Petrus, sondern der ganzen christlichen Kirche aufgetragen?
Im 16. Kapitel des Matthäusevangeliums (V. 13ff) wird Petrus von Jesus als Wortführer angeredet und damit das Schlüsselamt allen Jüngern gegeben. An anderen Stellen erteilt Jesus diesen Auftrag auch ausdrücklich allen Jüngern und der ganzen Gemeinde.
(608) Mt 16,19: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wist, soll auch im Himmel gelöst sein.
(609) Joh 20,22f: Jesus spricht zu den Jüngern: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
(610) Mt 18,18.20: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein. – Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Der Zusammenhang redet von der Gemeinde.) Vgl. 1Petr 2,9!
(BG)
Mt 16,13-20 Petrusbekenntnis und Verheißung
267. Was gehört alles zum Amt der Schlüssel?
Zu diesem Amt gehört die Vollmacht und Aufgabe
das Evangelium zu verkündigen, das die Vergebung zusagt, und das Gesetz zu predigen, das den Unbußfertigen die Sünde behält;
die Sakramente zu verwalten, die die Vergebung besiegeln (vgl. Frage 242);
aber auch einzelnen Menschen ganz persönlich Sünden zu vergeben oder zu behalten.
(611)
Mt 28,18-20*: Jesus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und
auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie im
Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten
alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an
der Welt Ende. Vgl. Mt 16,19 und Joh 20,23!
268. Wem sollen die Sünden vergeben und wem sollen sie behalten werden?
Den bußfertigen Sündern sollen die Sünden vergeben werden;
den unbußfertigen Sündern sollen die Sünden solange behalten werden, bis sie Buße tun.
(BG) Bußfertige Sünder:
Ps 6; 32; 38; 51; 102; 130; 143 Davids Bußpsalmen
Mt 26,75 Petrus bereut seine Verleugnung
Lk 15,11-24 Der verlorene Sohn
Lk 18,9-14 Pharisäer und Zöllner im Tempel
Unbußfertige Sünder:
Mt 14,3f Der Ehebruch des Herodes
Mt 27,3-5 Judas Ischarioth (Reue ohne Glauben)
269. Was heißt Buße?
Buße ist Abkehr von der Sünde und Umkehr zu Gott. Zu ihr gehören:
die Sündenerkenntnis;
die ehrliche Reue und
der Glaube an die Sündenvergebung durch Christus.
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(612) Apg 3,19: So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden. (= Umkehr)
(613) Ps 51,19: Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist – ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. (= Reue)
(614)
Apg 16,31: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! (=
Glaube)
270. Wer soll das Amt der Schlüssel praktisch ausüben?
Weil das Amt der Schlüssel der ganzen Gemeinde übergeben ist, soll jeder Christ an seinem Platz ein Bote Christi sein. Öffentlich soll es aber von den Dienern am Wort (z.B. Pastoren) verwaltet werden, die die Gemeinde selbst dazu wählt und beruft.
Beachte: Zur öffentlichen Verwaltung des Schlüsselamtes gehört nicht nur das Handeln vor der versammelten Gemeinde, sondern auch die Einzelseelsorge, weil auch sie im Auftrag der Gemeinde geschieht.
[zurück zu: Frage 36 , Frage 182]
(615) Apg 20,28: Paulus sagt zu den Leitern der Gemeinde in Ephesus: So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heil9ige Geist eingesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.
(616) 1Kor 4,1: Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. (Der Zusammenhang redet vom Apostel- und Predigtamt.)
(617)
Tit 1,5: Deswegen ließ ich dich in Kreta, dass du vollends ausrichten
solltest, was noch fehlt, und überall in den Städten Älteste einsetzen, wie
ich dir befohlen habe. (Im Zusammenhang ist von den Bischöfen die Rede.)
Ich glaube: Was die berufenen Diener Christi aus seinem göttlichen Befehl mit uns handeln – auch dann, wenn sie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder von der christlichen Gemeinde ausschließen und die, die ihre Sünde bereuen und sich bessern wollen, wieder lossprechen -, das ist ebenso kräftig und gewiss auch im Himmel, als handelte unser lieber Herr Christus selber an uns.
271. Was ist damit grundsätzlich zum Amt des Pastors gesagt?
Alles, was die berufenen Diener Christi hier auf Erden durch Wort und Sakrament nach seinem göttlichen Befehl mit uns handeln, ist im Himmel genauso wirksam und gültig, als wenn unser lieber Herr Christus mit uns selber handelte.
(618)
Lk 10,16: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der
verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt
hat.
272. Wann wird vom Schlüsselamt in besonderer Weise Gebrauch gemacht?
Vom Schlüsselamt wird in besonderer Weise Gebrauch gemacht:
wenn solche öffentlichen Sünder aus der christlichen Gemeinde ausgeschlossen werden, die unbußfertig sind;
wenn solche öffentlichen Sünder losgesprochen werden, die ihre Sünde bereuen, sich nach Gottes Vergebung sehnen und christlich leben wollen.
[zurück zu: Frage 179 , Frage 182]
273. Was ist hier mit »öffentlichen Sünden« gemeint?
»Öffentliche Sünden« sind grobe Vergehen gegen Gottes klare Gebote:
neben denen nach der Heiligen Schrift der Glaube nicht bestehen kann, und
die in der Gemeinde oder darüber hinaus bekannt geworden sind.
Dazu gehören z. B.: dauernde Verachtung von Wort und Sakrament, Zauberei (vgl. Frage 24), beharrliche Unversöhnlichkeit, Ehebruch, unbarmherziger Geiz.
[zurück zu: Frage 179]
(619) 1Kor 6,9f: Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.
(620)
1Kor 5,1: Überhaupt geht die Rede, dass Unzucht unter euch ist, und zwar
eine solche Unzucht, wie es sie nicht einmal unter den Heiden gibt: dass einer
die Frau seines Vaters hat.
274. Wie soll der Ausschluss aus der christlichen Gemeinde erfolgen?
Die Gemeinde soll einen öffentlichen Sünder, der nach Christi Vorschrift und Ordnung ermahnt worden ist und trotzdem unbußfertig bleibt, zu einem Heiden erklären, der nicht mehr zur christlichen Gemeinde gehört. Der berufene Diener Christi soll einen solchen Ausschluss vor der versammelten Gemeinde bekannt geben.
Beachte: Ziel jeder »Kirchenzucht« ist es, den Bruder durch die Ermahnung in christlicher Liebe zu gewinnen. Erst am Ende erfolgloser stufenweiser Ermahnung steht der Ausschluss als letztes Mittel, das zur Umkehr rufen und damit der Rettung des Bruders dienen soll.
[zurück zu: Frage 179]
(621) 1Kor 5,13*: Entfernt den Bösen aus eurer Mitte!
(622) Mt 18,15-17: Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner.
(BG)
1Kor 5 Ausschluss von öffentlichen und unbußfertigen Sündern
275. Wann darf ein ausgeschlossener Sünder wieder in die christliche Gemeinde aufgenommen werden?
Die Gemeinde darf und soll einen Ausgeschlossenen gern wieder
aufnehmen, wenn er seine Sünde bekennt und Besserung verspricht. Der berufene
Diener Christi hat dies vor der Gemeinde bekannt zu geben.
[zurück zu: Frage 179]
(623) 2Kor 2,6-8*: Es ist aber genug, dass derselbe von vielen gestraft ist, so dass ihr nun ihm desto mehr vergeben und ihn trösten sollt, damit er nicht in allzu große Traurigkeit versinkt. Darum ermahne ich euch, dass ihr ihm Liebe erweist.
(BG) 2Sam 11; 12 Davids Umkehr
2Kor 2,5-11 Wiederaufnahme eines Ausgeschlossenen